Herculaneum war kleiner, wohlhabender und wurde beim Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 n. Chr. auf eine andere Weise konserviert als Pompeii. Während Pompeii unter einer losen Asche- und Gesteinsschicht begraben wurde, floss über Herculaneum eine heiße Schlamm- und Gesteinslawine hinweg, die anschließend zu einer starren Schutzschicht erstarrte. Dadurch blieben Gebäude, Holzbalken, Türen, Möbel und andere Gebrauchsgegenstände erhalten, die einen tieferen Einblick in das damalige Leben und Wohnen ermöglichen.
Die antike Stadt liegt heute wie in einer riesigen Grube unter dem modernen Ercolano.


Die Geschichte der Ausgrabungen beginnt 1709, als ein Bauer beim Graben eines Brunnens zufällig auf Marmortafeln und Gebäudereste stößt. Ab dem Jahr 1738 beginnen dann unter den Bourbonen die ersten Ausgrabungen. Wobei die Betonung hier auf „Grabungen“ liegen muss. Denn die archäologische Erschließung bestand darin, riesige Stollen und Tunnelschächte in den Tuffstein zu treiben. Ziel war es in erster Linie möglichst viele (wertvolle) Gegenstände der antiken Stadt zu bergen und nicht so sehr, die Gebäude- und Straßenstrukturen freizulegen.
Erst in den 1920er Jahren wurde die Stadt systematisch und fachmännisch freigelegt.
Ein Spaziergang durch die rechtwinklig angelegten Straßen der kompakten Ausgrabungsfläche und ein Blick in die vielen erstaunlich gut erhaltenen Häuser zeigt wie fortschrittlich und luxuriös das Leben der damaligen Bewohner teilweise war. Es gab 3 öffentliche Badeanstalten und mehrere private Bäder. Über ein Aquädukt wurde Frischwasser in die Häuser der Stadt und die öffentlichen Brunnen geleitet. Es gab ein Abwassersystem mit unterirdischen Tunneln in der ganzen Stadt und private Toiletten in über 80 Häusern und Wohnungen!

Luxuriöse Häuser säumen die Straßen.

Hier blieb eine hölzerne Schiebetür und ein Bettgestell erhalten.













Der Decumanus Maximus war die Hauptstraße der Stadt. Hier befanden sich viele wichtige Gebäude. Unter anderem die Taverne Ad Cucumas (cucumae = Krug), die an der Fassade ihr Angebot an Wein in 3 unterschiedlichen Sorten zum jeweiligen Preis angeschrieben hat. Außerdem Werbung für eine Show mit dem Namen „Nola“.

Ebenfalls auf dem Decumanus Maximus befindet sich das Haus der Augustalen. Einer Kultgemeinschaft zur Verehrung des Kaisers.


Gegenüber dem Haus der Augustalen befand sich das Augusteum. Bisher noch nicht freigelegt sondern noch unter dem modernen Ercolano begraben. Über die von den Bourbonen angelegten Tunnel wurden allerdings bereits Fresken und andere wertvolle Gegenstände geborgen. Sie befinden sich heute im Archäologischen Museum von Neapel.

