Versumpft

Eine Wanderung, von der es heißt “it’s unlike anything I’ve ever seen”, darf nicht ausgelassen werden. Sie führt durch den höchstgelegenen Sumpf der Welt und ganz nah an den berüchtigen nassesten Punkt der Welt, dem Wai’ale’ale. Das ist die Gelegenheit, die seit Neuseeland ungenutzten Regensachen auszugraben.

Es beginnt mit diesem majestätischen Anblick des Kalalau-Tals.

An der Kliffkante wandert man so dahin, bis der board walk beginnt. Was nach mondänem Laufsteg klingt, entpuppt sich eher als morsche Balken, die seit ihrer Erstverlegung in den 50er Jahren den Gesetzen der Natur anheimgestellt wurden. Aber idyllisch ist es schon.

Damit das auch richtige Wanderung wird und kein Flanieren haben sich die Ingenieure etwas ganz Cleveres einfallen lassen:
1. Die Planken liegen da, wo man auch gut ohne laufen könnte;
2. Man spannt einen Maschendraht auf die Planken unter dem Vorwand, dieser schütze vor Ausrutschen auf dem (nassen) Holz, welcher sich jedoch gerne von den Enden her ablöst und hochsteht, und in dem sich Wanderschuhe wiederum gerne verfangen;
3. Dort, wo man die Planken gut gebrauchen könnte, gibt es keine, sei es, weil sie vermodert sind, sei es weil man von vornherein darauf verzichtet hat.

Es ist ziemlich schwierig, zu sagen, wo der Wald aufhört und der Sumpf beginnt, aber das hier scheint er dann zu sein.

Interessanterweise wachsen hier im Nassen und Kühlen die gleichen Pflanzen wie auf einem knochentrockenen, bruzzelheisen Lavafeld (von den Sumpfgräsern einmal abgesehen natürlich): Farne, Gräser, und die allgegenwärtigen Ohia-Bäume.

Und warum macht man das alles? Weil es wunderschön ist.

Von irgendwo ganz hinten am Horizont bin ich am Morgen aufgebrochen, mit dem Auto in 1,5 Stunden in die andere Richtung gefahren, um zum Ausgangspunkt einer Wanderung zu bringen, die mich über 6 Meilen zu einem Aussichtspunkt bringt, von dem aus ich sehen kann, wo ich herkam…

Die Wolken, die ihr im Hintergrund seht, haben sich auf dem Rückweg ziemlich beeilt, mich einzuholen…

… und auch geschafft. Direkt hinter mir ist der Trailhead.

PS: Es hat nicht geregnet. Nasseste Orte der Welt scheinen Ihre Versprechungen nicht so recht einhalten zu wollen. Wie unzuverlässig.

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