Kauaeranga Valley

Carmen auf dem Pinnacles Track

Ein Grund, weshalb wir hier auf diesem DOC-Campingplatz sind (the closest we should ever get to freeedom camping), ist die Tageswanderung, die ich hier angehen will: Die Pinnacles können auf einem gut angelegten, etwa 7 km langen Track (ein Weg) erklommen werden. Das klingt nach einem lockeren Spaziergang mit viel Aussicht und das Wetter verspricht gut zu werden. 

Nach etwa 20 Minuten die erste Prüfung: der Weg mündet in einen Fluss und führt auf der anderen Seite wieder hinaus. Zum Glück gibt es eine Flood Detour in Form einer Hängebrücke. Im weiteren Verlauf werde ich noch öfter vor die Wahl gestellt ob ich riskieren will, beim Übersteinebalancieren nasse Füße zu bekommen, oder den Fluss umständlich, aber trockenen Fußes umgehen. Der Weg führt durch Wald, aber viel kann ich davon gar nicht aufnehmen, weil der Pfad die ganze Aufmerksamkeit fordert.

Ein kurzer Exkurs zum Track: Pinnacles sind, so erklären Schautafeln, Magmasäulen, die im Vulkanschlot erkaltet und ausgehärtet sind. Im Laufe von Jahrmillionen ist der Vulkankegel wegerodiert, aber das harte Magmagestein hat den Witterungen getrotzt. Pinnacles sind also so etwas wie Steilklippen im Wald. Der Weg, in erster Linie auf, über, zwischen Felsen, wurde von den Siedlern eines Hydro Camps angelegt, die unmenschlich malocht haben müssen, um die Stufen aus dem Felsen herauszuhauen. Über zwei Stunden klettere und schlittere ich so dahin, begleitet von dem Gedanken, welcher Not Menschen ausgesetzt sein müssen, dass dieses Leben erstrebenswert schien.

Als es flacher wird, lichtet sich der Wald und gibt den Blick auf das Ziel meiner Wanderung frei – es ist ziemlich hoch und noch ziemlich weit und der Weg dorthin führt – klar – über Stufen. Bei etwas über 500 habe ich den Faden verloren. Für das letzte Stück ist Felsenklettern gefragt, erst über Leitern, dann nur noch ein paar Eisenbügel im blanken Fels, dann gar nichts mehr, von ein paar Ästen zum Hochziehen abgesehen. Mir wird etwas mulmig, aber ab einem bestimmten Punkt lohnt sich Umkehren auch nicht mehr. Auf der Aussichtsplattform windet es schlimmer als auf dem Kepler Track, aber das Panorama ist die weichen Knie vor dem Abstieg mehr als wert.

Auf dem Flachstück vor den Steinstufen bewaffne ich mich mit zwei Ästen und mache mich an den wackligen, glitschigen, kräftezehrenden Abstieg. Bergab brauche ich länger als bergauf – obwohl ich mir zwei Furtumgehungen spare. Die Sonne sinkt fast schneller, als ich die Stufen hinunterkletteren, -laufen, -springen kann. Es war die härteste Wanderung, die ich auf NZ gemacht habe, aber auch eine der schönsten. Der Muskelkater in Oberschenkeln, Armen und Brust hat mich noch eine Woche lang lebhaft daran erinnert.

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