Waitawheta Tramway
Zum Abschluss erklärt sich Lennard bereit, mit uns eine 2-Tages-Wanderung zu machen. Wir suchen uns als Track die Waitawheta Tramway aus. Ebenfalls ein ehemaliger Schienenweg, allerdings nicht zum Gold- sondern Holztransport.

Denn hier wuchsen mal Kauribäume, die Mammutbäume Neuseelands. Übrig sind so gut wie keine mehr – zumindest hier nicht. Die Holzfäller von damals haben ganze Arbeit geleistet. Laut DOC-Broschüre sind es 7,5 km bis zur Hütte. Dort wollen wir dann übernachten und am nächsten Tag das Ganze zurücklaufen.
Camper parken, abschließen und los geht’s.

Wer uns sieht, könnte leicht denken, wir brechen auf eine 10-Tages-Wanderung auf. Vermutlich ist es auch egal, ob man eine Nacht oder 10 Nächte bleibt. Die Basics müssen einfach mit: Schlafsäcke, Essen, Regensachen, Wechselkleidung, Hüttenschuhe….und dabei haben wir noch nicht mal einen Campingkocher dabei….
Der Weg ist sehr idyllisch. Erst geht es über Schafweiden, mitten durch Schafherden durch.

Dann ein ganzes Stück direkt am Fluss entlang.

Der Wald wird irgendwann dichter und es tun sich Schluchten auf. Wir überqueren diverse Hängebrücken und müssten eigentlich auch einmal den Fluss furten, entscheiden uns aber dann doch für den etwas längeren Weg außenrum.

Nach fünfeinhalb Stunden Fußmarsch erreichen wir die Hütte. Es waren dann doch etwas mehr als 7,5 km. Eher so um die 9. Lennard ist ohne Murren den ganzen Weg marschiert. Nur gegen Ende kam immer mal wieder die Frage, wann die Hütte denn endlich kommt….
Selbige ist ein Stück oberhalb eines Wasserfalls gelegen auf einer Lichtung, mitten im Wald.

Außer uns ist niemand da. Wir haben als frei Auswahl aus 26 Stockbetten. Dann schmeißen wir erstmal den Holzofen an, denn da müssen wir heute Abend unser Essen drauf kochen.

Unterdessen kommen noch 2 Jungs an, die auf einer 5-Tages-Wanderung durch den ganzen Forest Park sind. Sie wollen aber draußen im Zelt schlafen, also haben wir immer noch 26 Bunks für uns alleine.
Es dauert ziemlich lange, bis unser Essen auf dem Holzofen warm ist. Da sind die Jungs mit Ihren Gaskochern schon schneller….
Toiletten mit Wasserspülung gibt es hier nicht. Dafür Komposttoiletten. Wodurch sich eine Komposttoilette konkret von einem normalen Plumpsklo ist mir nicht so ganz klar. Idealerweise müssen sie vermutlich nicht geleert werden…. Erstaunlicherweise stinken sie aber weit weniger! Nach dem Klogang soll man noch eine Handvoll Gras oder trockene Blätter hinterherwerfen, um den Zersetzungsprozess zu unterstützen. Lennard nimmt diese Vorgaben sehr ernst und läßt sich auch nicht davon abbringen, Gras hinterherzuwerfen, als es schon stockfinster ist. Da logischerweise direkt beim Klo schon alles Gras ausgerupft ist, laufen wir also mit Stirnlampe im Wald herum auf der Suche nach Gras….Das Klo hat es uns sicher gedankt.
Kein Licht, kein Strom dafür einen Sternenhimmel aus einer anderen Welt. Dass es da oben so viele Sterne gibt, wusste ich bisher nur aus dem Planetarium. Hier kann man Millionen von ihnen sehen. Und die Milchstraße ganz deutlich. Und das Kreuz des Südens (gottseidank waren wir in Wellington im Planetarium, daher wissen wir, welches es ist….). Unglaublich schön.
Auch unser nicht gerade wanderbegeisterter Sohn kann diesem Ausflug ins einfache Leben etwas abgewinnen. Seinen Kuscheltieren erzählt er genau, wie es in der Hütte so ist: kein Strom, keine Mikrowelle, kein Licht, kein „richtiges Klo“, nur Plastikmatratzen, keine Mülleimer etc.


Nein, das ist keine Photoshop-Montage. Dieser Pilz stand wirklich dort und hatte auch genau diese rote Farbe… Wonach der wohl schmeckt? Kirsche? Erdbeer? Bubblegum?
