Darauf freue ich mich schon seit ich die Idee hatte, nach Istanbul zu kommen: Wärme-Wellness beherbergt in historischen Mauern. Für sowas bezahlen Touristen bis zu 200 € pro Sitzung – das kommt nicht in Frage. Das Bad, das mir empfohlen wurde, ist etwa 10 Minuten entfernt und nicht ganz das, was ich mir in meinen romantischen Vorstellungen erträumt habe. Aber authentisch.

Ich habe versucht, zu recherchieren, welche Regeln es beim Hamambesuch zu beherzigen gibt. Aber das ist nicht Japan: wenn es Regeln gibt, werden sie nicht auffindbar dokumentiert. Ich buche das Wellness-Paket für 900 TL, das Handtuch, Badelatschen, Schrubbung, Massage und Trinkwasser enthält und werde einer älteren Dame übergeben. In den folgenden 30 Minuten bin ich „Lady“.
Sie schickt mich zum Umziehen in eine Kabine, die mir gehört, und dann zur „shower“ in den marmornen Raum mit dem heißen Stein. „Shower“ bedeutet, ich übergieße mich mit heißem Wasser (einseifen?) solange, bis die Dame mich abholt, in den Vorraum führt und bedeutet, mich auf einem Marmorbett niederzulassen. Jetzt bekomme ich eine ordentlich Abreibung, der die obere Epidermis zum Opfer fällt. Dann kommt der Schaum und die masaj von Rumpf und Extremitäten, abgeschlossen von ein paar ordentlichen Eimern Wasser, kalt, wenn ich mich recht erinnere. Zum Abschluss eine Kopfmassage, dann werde ich in ein Handtuch gewickelt, bekomme eine Flasche Wasser in die Hand und werde in den Eingangsbereich geschickt. Dort sitzen mehrere Frauen, in Kleidern, in Unterwäsche, oder auch im Handtuch und rauchen und diskutieren ziemlich laut. Weil ich nicht so recht weiß, was ich machen soll, setze ich mich, trinke und finde alles ein bisschen skurril. Außerdem warte ich, ob ich nochmal zu etwas abgeholt werde, was nicht passiert. Also gehe ich wieder rein, und wärme mich noch eine Runde auf dem heißen Stein. Das ist ein Element, das in den Stuttgarter Saunen definitiv fehlt!
Ich weiß nicht, wie lange es schicklich ist, im Hamam zu verweilen, aber beim zweiten Abkühlen im Kassenbereich fragt mich meine Hamami „bath finish?“. Ich gehe trotzdem noch in die Sauna, die so heiß ist, dass ich mir den Po an den Holzbänken verbrenne – trotz Handtuch. Nach kaum 5 Minuten flüchte ich (verbrenne mir noch die Finger am metallenen Türgriff) und begebe mich in meine Kabine.
Fazit: es war keine Luxuserfahrung, aber interessant. Die Kultur des öffentlichen Bades ist angeblich im Niedergang begriffen und wird mehr von zahlungskräftigen Tourist*innen am Leben gehalten, als von Einheimischen. Und dafür ist dieses Bad vielleicht ein Exempel. Aber: an diesem verregneten Tag, an dem mir das Regenwasser in den Schuhen stand, hat der Besuch sehr, sehr gut getan. Eindrücke (zugegeben aus besseren Tagen) gibt es hier.
