Juwel, artenreichster Flecken Costa Ricas, Höhepunkt eines jeden Besuchs in diesem Land – das sind die Stichworte, die in einem Atemzug mit dem Parque Nacional Corcovado genannt werden. Wer den Nationalpark besucht, ist nicht zufällig da.

Nach dem Fass haben weitere 4 Stunden Fahrt uns nach Puerto Jiménez gebracht und von dort sollten es noch einmal 1,5 Stunden sein, bis zum Parkeingang, aber davon nachher mehr.
Besucher dürfen den Parque Nacional Corcovado nur mit Guide betreten. Und wenn wir schon hier sind, haben wir eine 2-Tages-Tour gebucht mit Übernachtung in einer der Lodges. Tag 1 ist Anreise mit Rundgang und Tierbeobachtung, Tag 2 eine Tageswanderung (mit Tierbeobachtung) zum Parkausgang.
Was muss ins Gepäck für die Wildnis? Der Veranstalter schickt Hinweise:
- Sandalen für das „wet embarkment“ (?)
- Bugspray (2 Dosen, sicher ist sicher)
- Sonnen- und Regenschutz
- Keine Einmalverpackungen (Mist – wohin mit den Snacks für die Wanderung???)
- Mind. 2 l Wasser pro Person, aber nicht in Plastikflaschen. Weitsichtig wie wir uns wähnen, haben wir dafür die Wasserblasen mitgenommen.
Was wir leider nicht mitgenommen haben, sind die Clips zum Verschließen der Wasserblase, so dass unsere souveräne Vorbereitung in leichte Hektik umschlägt. Nach Experimenten mit Haarclips und Isolierklebeband – in aller Eile im Supermarkt erstanden – haben wir uns des Snozzle-Bags besonnen. Dieser Mehrzweckerfindung sollte ein Denkmal gesetzt werden: eigentlich ist er ein Luftsack zum Aufpumpen einer Luftmatratze, bisher hat er Lennard als Packsack für seine Klamotten gedient und ist eben auch wasserdicht. Puh.
Beruhigt gehen wir früh ins Bett, denn der Wecker wird um 3:30 h klingeln, damit wir pünktlich am Treffpunkt erscheinen: 5:20 h am Fährsteg, denn wir werden mit dem Boot geshuttelt.
Die Morgenstimmung entschleunigt wohltuend nach der ganzen Anspannung.


Jetzt klärt sich auch das „wet embarkment“: der Anleger wird renoviert und wir müssen vom Ufer aus ins Boot klettern.
Und dann beginnt ein anderthalbstündiger Ritt. Ein buckelndes Pferd ist nichts dagegen. Der Kapitän hat kein Erbarmen mit den Landratten. Der Motor heult auf und jagt uns Wellenkämme hinauf, von denen wir im freien Fall in Wellentälern versinken. Besonders adrenalinlastige Sprünge kündigen sich dadurch an, dass der Kapitän kurz vom Gas geht. In diesen Momenten sind wir der Schwerkraft enthoben und kommen ein paar Mikrosekunden nach dem Boot auf unserem Sitz an. Ich habe große Befürchtung, dass ich das mühsam hinuntergewürgte Frühstück bald wieder hochwürge, schließe die Augen und krame in meinem Gedächtnis nach Gedichten, die ich in der Schule irgendwann mal lernen musste (es erscheint Goethes Totentanz). Da fragt mein Nachbar, an dessen Oberschenkel ich mich schon aus Verseheen festgehalten habe: „Don`t you enjoy it?“ Patricia und Lennard scheinen OK zu sein.
Plötzlich ist es ruhig, wir dümpeln auf der Stelle, deswegen:


In diesem Land wartet überall etwas Besonderes.
Und weiter geht es. Nach einer Weile wird das Wogen in meinem Magen zu einer prickelnden Vorfreude auf das, was die nächsten zwei Tage auf uns wartet.
In Sachen Gründlichkeit steht man hier den anderen Parks in nichts nach: Direkt am Ufer wird das Gepäck auf verbotene Mitbringsel kontrolliert. Manche essen noch schnell regelwidrige Riegel, wir lassen die in Ziplock-Beutel umgefüllten Kräcker im hinteren Teil der Rucksäcke verschwinden – und haben Glück: der junge Mann inspiziert nur das obere Fach und den Deckel – und dabei wird leider das Taschenmesser konfisziert. Adieu.
Und dies ist unser Dach über dem Kopf:

Es gibt keine geschlossenen Räume – von den Toiletten abgesehen. Auf der umlaufenden Veranda ist Platz zum Ausruhen, Unterhalten, Natur mit Augen und Ohren genießen.

Jedem/Jeder ist so eine Koje zugewiesen und wir freuen uns darauf, begleitet von der Dschungel-Kulisse einzuschlafen.
