20 km Regenwald

Hey, hier ist Lennard, und ich erzähle jetzt von unserem zweiten Tag in Corcovado.

Um 4:30 Uhr stehen wir auf, und mit wir meine ich alle, denn alle Touren starten zwischen fünf und halb sechs. Zähneputzen, einen schnellen Kaffee und einen Keks, Sachen packen, Schuhe an und los geht`s.

Vor uns liegen 20 km, teils durch den Regenwald, teils am Strand. Zuerst müssen wir den Río Claro überqueren, wo wir am Tag davor ein Krokodil gesehen haben. Zum Glück scheint heute keins in der Nähe zu sein. (Das hat unser Guide übrigens wörtlich gesagt: ,,There seems to be nothing“. Sehr beruhigend…) Danach beginnt ein langer Marsch durch Wälder und an Stränden. Vor allem die Strände sind der Horror, weil der Sand die nervige Angewohnheit, unter den Füßen nachzugeben, hat, und, weil es keinen Schatten gibt. Aber immerhin ab und zu ein bisschen Wind. In Corcovado ist das ein kleine Sensation.

Nach 6 km machen wir die erste Pause. Ich bin bereits durchgeschwitzt, schlapp und dauerhaft durstig. Und dabei ist es erst 8 Uhr. Doch die Anstrengungen lohnen sich, und wie!! Unser Guide sagt zurecht, dass man Corcovado in Costa Rica als letztes besuchen soll, weil man hier alles sieht, was man noch nicht gesehen hat:

Affen

Tapir

Tukan

Eine Jesus-Christus-Echse und eine Viper

Im weiteren Verlauf der Wanderung machen wir an einem Strand halt, an dem Einsiedlerkrebse von allen Farben und Größen eine Party feiern. Während einer versucht, den Deckel meiner Frühstücksdose zu entführen, klettern vier andere auf einen Stein – und rutschen gleichzeitig mit einem Klacken wieder auf den Boden. Das Frühstück haben wir übrigens aus unserer Unterkunft mitgenommen. Es besteht aus einer Mandarine mit grüner Schale, einem Saftpäckchen mit Birnennektar (mmhmmm, kein Einwegplastik, jaja…) und einer riesigen zylinderförmigen Box, die ich nicht mal während zwei Malzeiten leeren konnte. Bei mir waren zwei Kochbananen, viel Fleisch, sehr viel Ei und natürlich sehr sehr viel Reis mit Bohnen enthalten (das typische Arroz-Frijoles, wie es auf dem Speiseplan stand, und zwar morgens, mittags und abends.) Es war sehr lecker, aber viel zu viel.

Auf den letzten 2 km werden wir noch mit drei tierischen Highlights belohnt:

1. Ameisenbären

2. Ein supersüßes Faultier

3. Wunderschöne Aras

Endlich sind wir am Parkausgang La Leona angekommen. Von hier aus sind es weitere 3,5 km nach Carate, wo man vom Taxi abgeholt wird. Und zwar alles am Strand. Die Sonne knallt, der Sand sinkt ein, kein Lüftchen weht und die Füße tun weh von fast 20 km Regenwald. Endlich biegen wir vom Strand ab und stehen direkt auf einer Landebahn. Zusammen mit einem Parkplatz und ein paar Bänken und Tischen bildet sie den ,,Ort“ Carate. Die Fahrt zurück verläuft zu 90% auf einer Schotterpiste, aber mir ist alles egal, solange ich sitzen kann.

Hier ist also das Fazit von Corcovado: Die ganze Anstrengung lohnt sich wirklich und ist ja auch irgendwie Teil des Erlebnisses. Dafür laufen einem die Charaktere aus dem Dschungelbuch wortwörtlich die ganze Zeit über den Weg.

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