Wer hat’s erfunden?

Wind und Regen treiben mich ins Museum für die Geschichte von Wissenschaft und Technik im Islam. Der Eintritt kostet „nur“ 10 Euro, woraus ich schließe, dass es nicht zu den top 10 must-sees in Istanbul gehört. Aber das macht es eher sympathisch.

Die Anfahrt meistere ich mittlerweile routiniert: Ich kann den richtigen Bus heranwinken, und auch schnell genug einsteigen (quasi im Fahren aufspringen), die Straßenseite auch ohne Ampel sicher wechseln, und überhaupt den Eindruck erwecken, als wüsste ich, wie’s funktioniert.

Von der Haltestelle zum Eingang des Museums sind es nur 200 Meter, eine schmale Straße entlang. Hier reiht sich zu beiden Seiten Restaurant an Kneipe an Café und von beiden Seiten fordern mich Männer mit und ohne Speisekarten auf, doch Platz zu nehmen. Unterdessen bin ich laut Google am Eingang vorbeimarschiert (???). Ich drehe um und schaue sehr konzentriert und suchend nach links und rechts, was die Männer als Interesse interpretieren und ihre Bemühungen intensivieren. Kein Museum auszumachen, aber wieder vorbeigelaufen. Grrr. Aber auf keinen Fall gehe ich nochmal durch dieses Spalier!

Das Gebäude soll an einen Park grenzen, vielleicht gibt es einen anderen Zugang. Et voilà. Ich trete vor die Glastür, aber sie geht nicht auf. Angeblich hat das Museum jeden Tag geöffnet, aber heute ich Montag… Bevor ich mich umdrehen kann, schiebt jemand von drinnen die automatischen Türen von Hand auseinander und hinter mir wieder zusammen. An der Kasse wird mir empfohlen, meine Jacke anzubehalten, denn „it is very cold upstairs“. Aber den Rucksack darf ich einschließen und dann beginne ich meine Tour zusammen mit einem Paar aus Russland. Wir sind die einzigen Kunden.

Was folgt ist die türkische Version von „Wer hat’s erfunden“ (für die Jüngeren unter euch: siehe „Ricola“-Werbung aus dem letzten Jahrtausend).

Astrolabium zum Ausmessen des Sternenhimmels, hier die byzantinische Version.

Zifferblatt einer Wasseruhr aus Fez, gebaut 1362

Dampfbetriebener Dönerspieß von 1546
Schatullendeckel mit Zahlenschlössern, um etwa 1200 entstanden.

Außerdem gab es sehr viel zu Mathematik, Physik und Kriegsführung; und viele Sternwartenmodelle, die sich ideal für ein „finde den Unterschied“-Spiel eignen würden.

Kälte und Hunger veranlassen mich, nach 2 Stunden zu gehen. Die Lokal-Empfehlung im Reiseführer ist genau, was ich suche: unprätentiös, warm und keine Touristen. Einer der Angestellten spendiert mir zu der üppigen Portion noch einen Nachtisch aus Grieß und Datteln (?) und einen heißen Tee. Sehr sehr lecker.

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