Ich weiß nicht, ob es das offizielle Wappen Istanbuls ist, aber als Emblem schmückt diese Grafik so ziemlich alles, was im öffentlichen Raum zu finden ist:

Es repräsentiert die sieben Hügel, auf denen die Stadt angeblich steht, die Minarette, die die Silhouette bestimmen, die Wachtürme der sehr lange unbezwingbaren Stadtmauer, die Kuppeldächer, die die osmanische Architektur kennzeichnen, alles arrangiert zur Form einer Tulpenblüte, die als wilde Blumen schon lange im osmanischen Reich bekannt waren und als Symbol für Macht und Reichtum bei den Herrschern sehr beliebt.
Ein Wahrzeichen dieser Stadt fehlt aber. Das sind die Katzen. Sie sind überall, und meist in Gruppen zu finden. Es gibt sie in allen Größen, Felllängen und -farben. Und sie werden geliebt, bekümmert, behaust.


Warum es hier so viele gibt, ist eine vieldiskutierte Frage und es gibt verschiedene Erklärungsansätze. Allen gemeinsam ist m.E., dass die Menschen Katzen immer aufgrund ihres Nutzens für wertvoll erachtet haben. Zu einer Zeit, als in Westeuropa Katzen als vermeintliche Krankheitsüberträgerinnen massenweise getötet wurden, haben sich die Herrscher hier mit Katzen abbilden lassen, weil sie als Hüterinnen von Haus, Nahrung und Wissen betrachtet wurden. Wissen? Ja, weil Katzen den Ratten und Mäusen Einhalt boten, die sich gerne am Papier gütlich tun, und Wissen auf Papier festgehalten wird. Katzen sind die heiligen Kühe Istanbuls.
Überall legen Menschen Trockenfutter aus, oder Essensreste, stehen kleine Hütten als Schutzraum bereit, und heute bin ich an einem Katzenklo vorbeigekommen, das offensichtlich auch benutzt wird (also von Katzen). Am schönsten ist allerdings die Symbiose von Mensch und Katze, wenn es kalt ist. Dann nimmt man sich eine Katze auf den Schoß, während man auf den Bus/die Fähre wartet, auf der Parkbank ein Buch liest, in der Moschee der Predigt lauscht oder einem Angehörigen auf dem Friedhof einen Besuch abstattet.



Die letzte habe ein gestreichelt, und sie wollte sofort auf mich klettern – jetzt weiß ich auch warum. Die arme hat wahrscheinlich nicht verstanden, warum ich das nicht will.
Fast hätte ich es vergessen. Mit Hunden geht man genauso liebevoll – und unerschrocken – um.


