Irdisches und Geistiges

Auf die Sintflut folgt Sonne. Ein Blick aus dem Fenster sagt mir, dass die Fähren heute wieder verkehren. Das ist die Chance für den Ausflug nach Eyüpsültan. Eigentlich will ich zu dem Ausflugscafé Pier Loti (was eigentlich Pierre Loti heißen soll, was wiederum der nom de plume von Louis Marie Julien Viaud ist, Vorreiter des literarischen Exotismus und seinerzeit ein Superstar, heute eher nicht mehr ). Aber die Aussicht von dort soll sagenhaft sein – bei schönem Wetter.

Zu dieser Zeit des Jahres, zumal an einem Freitag, bestimmen die Pilger das Straßenbild von Eyüp, wie der Stadtteil unter Kennern genannt wird. Als ich ankomme, erfolgt gerade einer von 5 Gebetsaufrufen am Tag und die Menschen drängen sich durch die Tore der Mosche, wo kurze Zeit später auch der Imam seine Predigt beginnt. Das weiß ich, weil sie über Lautsprecher in die Straßen getragen wird, wo sie mich die nächste halbe Stunde auf dem Weg hinauf zum Aussichtspunkt begleiten wird.

Mein Weg, nicht der empfohlene Weg, führt durch den Friedhof. Das ist interessant, weil einerseits wie bei uns, aber andererseits auch wieder gar nicht: Es gibt Grabsteine auf abgegrenzten Gräbern, die mal mehr, mal weniger liebevoll bepflanzt sind. Und es gibt kleine Becken, wie für Weihwasser. Nur dass sie keinen Deckel haben und, zumindest nach einem Wolkenbruch, voller Regenwasser stehen.

Allerdings versprüht das Gelände einen eher nüchternen, pragmatischen Geist.

Die 08/15-Tafeln könnten auch Geschäftszeiten angeben und und weil das Terassen-Ensemble eher unübersichtlich ist, gibt es überall Wegweiser zu Gräbern, nicht von Berühmtheiten, sondern ganz normalen Menschen.

Älter scheinen die Stelen zu sein, von denen manche mit einem Turban bekränzt sind, was wohl etwas über die Bedeutung der Person zu Lebzeiten aussagt, also je größer, desto wichtig.

Und die Aussicht – weiß auch nicht. Zu Pier Lotis Zeiten war es vielleicht romantischer.

3 Grad sind auch unter Istanbuls Sonne nicht wärmer als bei uns. Da kommt eine Suppe doch gerade recht. Wie wäre es mit, „Kopf und Bein“ oder „Kutteln“? Dann lasse ich mir noch die saisonalen Getränke erklären und komme so zu „Boza“ – sehr heiß und sehr lecker.

Schönstes Bild des Tages: Um den Brunnen vor der Moschee sitzen Menschen, um sich ausruhen und die Sonne zu genießen. Dort sitzt auch der Imam, und an ihn geschmiegt eine Katze.

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