Wenn es eine Wanderung hier in Neuseeland gab, die ich unbedingt machen wollte, dann diese. Zwischen zwei Vulkanen hindurch, vorbei ein smaragdfarbenen Seen und Ausblicken fast von einer Küste zur anderen. Allerdings nur bei gutem Wetter zu machen und im Winter (der Winter beginnt hier Ende April) unter Umständen nur mit Steigeisen und Eisaxt. Die Broschüren sind auch nicht gerade ermutigend: „Weather can change with alarming speed. You must be prepared for all weather conditions. The weather in the car park can be totally different to what’s going on nearly 1000 metres higher and further up the track.“
Aber das Wetter ist nicht die einzige Gefahr, die da oben lauert: „Trampers intending to trek the Tongariro Alpine Crossing chould check the current Volcanic Alert Level of these volcanoes. Look out for areas of colcanic activity. In particular be aware of noxioud gases escaping from vents and potentially accumulating in the bottoms of craters. Be prepared to move off the mountains quickly if there are any signs of volcanic activity (earthquakes, rumbling, ash or flowing clouds or flying rocks). Move away from the eruption vents in the Summit Hazard Zones and stay on ridges….“
Klang alles fast angsteinflößend. Zumindest aber mal äußerst respekteinflößend. Aber die Wettervorhersage ist gut und viel Schnee liegt noch nicht, also wagen wir dieses unsägliche Abenteuer. Zuerst ich, am nächsten Tag dann Carmen. Da es oben etwa -5°C haben soll und ziemlichen Wind, nehme ich alles mit, was ich an warmen Klamotten dabei habe. Der Morgen ist sonnig aber frisch und ich habe alles an. Nach allem, was wir über den Track gelesen haben und den offensichtlichen Gefahren, die da oben lauern, wähne ich mich eigentlich zu dieser Jahreszeit alleine oder höchstens in Gesellschaft einiger anderer ernsthafter Wanderer. Umso größer ist mein Erstaunen als wir am Carpark am Anfang des Tracks ankommen und bereits Busladungen anderer Wanderer vorfinden. Zusammen mit mir wälzt sich also ein nicht abreißen wollender Strom von bunt gemischtem Fun-Volk den Berg hinauf. Was wollen die alle hier???? So viele Menschen habe ich auf allen Wanderungen zusammen hier nicht getroffen!!!! Hilfe!!! Außerdem sind die doch gar nicht richtig ausgerüstet. Die meisten tragen T-Shirt, kurze Hosen und Trendschuhe und als Gepäck eine Messanger Bag oder wenn es hochkommt einen Getränkerucksack….Tsss. Da hat wohl keiner die Broschüre gelesen….Die können doch unmöglich diese 20km wandern wollen?! Ich komme mir schon etwas over-equipped vor in meinen Wanderstiefeln, -hosen, Outdoorjacken, Wollmütze, Handschuhen, Thermo-Unterwäsche. Ziehe auch nach und nach das meiste aus, denn unten ist es wirklich warm.
Trotz der Massen versuche ich, das Panorama zu genießen. Nach Westen kann man bis zum Mount Taranaki sehen. Einem Kegelvulkan wie aus dem Bilderbuch.

Fast so schön wie Mt. Ngauruhoe (auch bekannt als Mount Doom aus „Lord of the Rings“) über mir.

Es geht aufwärts. Und es wird zunehmend kälter und windiger. Ha! Ich ziehe nach und nach alle meine Klamotten wieder an.

Eine Neuseeländerin auf dem Abel Tasman Coast Track meinte zum Tongariro „It’s like walking on the moon“. Daran muss ich denken, als ich mich dem South Crater nähere. Nur dass auf dem Mond kein Wind weht und hier oben schon. Und wie. Und kalt. Fast tun mir die Schneckchen in ihren T-shirts und kurzen Hosen, die nur eine Kapuzenjacke zum Überziehen haben, nun etwas leid. Es ist echt eisig.

[Anmerkung von Carmen: mein Tag hat zwar im Nebel begonnen, dafür war es am Krater so gut wie windstill. Ich habe mich ebenso dick eingepackt, wie Patricia am Tag zuvor und die Wollmütze auch nicht abgelegt, zuerst, weil es wirklich kalt war, dann aus Eitelkeit… Und ja, auch ich hatte einen Massenstart, es war schockierend.]

Oben am höchsten Punkt der Wanderung, dem Red Crater, öffnet sich dann der Blick auf die andere Seite. Am Fuß des Kraters die drei Emerald Lakes etwas weiter oben der Blue Lake. In der Ferne Lake Taupo. Ein Wahnsinns-Ausblick.

An einem der Emerald Lakes mache ich Pause.

Auf dieser Seite bläst auch der Wind nicht mehr so.

Als ich weitergehe ist der größte Teil des Fun-Volks schon durch. Kaum jemand vor mir oder hinter mir. Endlich.


