Ein Strand, an dem man sich bei Ebbe ein Loch graben kann, aus dem dann heißes Wasser sprudelt. Klingt verheißungsvoll. In unserer Vorstellung liegen wir also nach kurzem Graben in einem angenehm warmen Naturpool bis die Flut wieder kommt.
Am Campingplatz leihen wir uns Spaten aus und 2 Stunden vor Wassertiefstand sind wir da, am Hot Water Beach. Zusammen mit vielen anderen Touristen. So muss es auch zu Zeiten des Goldrauschs ausgesehen haben: mit Spaten bewaffnete Menschenmassen drängen sich an einem Ort auf der Suche nach Verheißung…
Die Brandung ist ziemlich heftig, zu weit unten am Strand kann man also gar nicht graben, ohne dass der nächste Brecher alle Anstrengung wieder zunichte macht.

Wir graben. Kein heißes Wasser. Wir graben tiefer. Immer noch kein heißes Wasser. Wir graben woanders. Kein heißes Wasser. Lennard hat schon keine Lust mehr und fotographiert stattdessen unsere vergeblichen Bemühungen, die heiße Quelle anzuzapfen.

Allen anderen geht es genauso. Bis auf ein Grüppchen, die offensichtlich eine warme Stelle gefunden haben und wie verrückt gegen die Wellen angraben. Und tatsächlich, beim neidischen Handreinhalten stelle ich fest, das Wasser ist in der Tat lauwarm. Damit es allerdings so bleibt muss das hereinströmende Meerwasser beständig rausgeschöpft werden. Zum Reinlegen ist also eigentlich garkeine Zeit. Und irgendwann kommt die Flut wieder und dann ist eh alle Anstrengung vergeblich. An diesem schönen Herbstabend hat hier also niemand gemütlich in seinem selbst geschaufelten Naturpool gelegen! Eine ziemlich bedröppelte Touristenherde macht sich wieder auf den Weg zurück zum Parkplatz. Wir müssen fast etwas über uns selbst lachen. Schaufeln wie die Bekloppten den Strand um und finden nicht einen Tropfen heißen Wassers!
