Auf dem Weg nach Kyoto machen wir noch einen Abstecher ins Hinterland. Wir wollen eine kleine Etappe auf dem Nakasendo wandern. Das ist ein alter Postweg, der von Tokio nach Kyoto führte. Die touristisch wohl am besten erschlossene Etappe sind die 7 Kilometer zwischen den Örtchen Magome und Tsumago. Um nach Magome zu kommen, müssen wir von Nagoya aus ein Stück mit dem Zug nach Norden fahren und noch ein Stück mit dem Bus. Es ist unsere erste Busfahrt in Japan. Aber auch hier sind wir glücklicherweise nicht die ersten Ausländer und der Weg zum richtigen Bussteig ist vorbildlich auf Englisch ausgeschildert. Im Bus zieht man beim Einsteigen ein Ticket. Auf dem Ticket steht eine Zahl, die die Nummer der Einstiegshaltestelle angibt.

Vorne gibt es einen Bildschirm, auf dem immer angezeigt wird, wieviel man an der betreffenden Ausstiegshaltestelle bezahlen muss von der Haltestelle 0 aus gerechnet. Das Geld wirft man beim Aussteigen beim Fahrer ein.

Nach einer halben Stunde Busfahrt erreichen wir Magome. Hier werden wir in einem Minshuku – einem traditionellen japanischen Gasthaus – übernachten und am nächsten Tag nach Tsumago wandern.
Magome ist schnucklig im Edo-Stil hergerichtet und liegt idyllisch zischen Reisfeldern und grünen Hügeln.

Der Ort ist nicht viel mehr als die Häuser rechts und links es Weges den Hang hinauf. Um 17:00h werden hier die Bürgersteige hochgeklappt. Die Tagestouristen sind wieder weg, die Souvenirläden machen zu und es ist auf einmal ganz ruhig. Außer den paar Menschen, die hier übernachten, ist niemand mehr unterwegs.

In unserem Gasthaus haben wir ein geräumiges Tatami-Zimmer.

Abends wird der Tisch zur Seite gestellt und die Futons ausgebreitet.

Die Schwüle von Tokio haben wir hinter uns gelassen, die Luft ist hier trockener und kühler und die Bettdecken dicker.
Das Gemeinschaftsbad ist ebenfalls traditionell japanisch. Eine große Wanne mit warmem Wasser in das man steigen kann, nachdem man sich davor ordentlich abgeschrubbt und abgeduscht hat.
Wir sind froh, dass wir uns doch noch für das Abendessen im Gasthaus entschieden haben, denn erstens gibt es hier weit und breit kein Restaurant, das noch geöffnet hätte und zweitens erwartet uns das reichhaltigste, vielseitigste und am schönsten anzusehende Abendessen, das wir je hatten.

Es gibt Forelle aus der Region, Pferdefleisch, kalte Soba-Nudelsuppe, Gemüse in Tempura, eingelegten Tofu, über dem Feuer gegarten Kohl auf Tofu mit Bauchspeckscheiben und Pilzen obendrauf, dazu noch diverses Eingelegtes, von dem man nicht so genau sagen kann, was es ist und zum Nachtisch einen Pudding mit Heidelbeergelee. Es schmeckt alles vorzüglich und wir sind sowas von satt, als wir mit allem durch sind.
Am nächsten Morgen – immer noch mit prall gefüllten Mägen vom Vorabend – machen wir uns auf den Weg nach Tsumago. In Magome geht es weiter den Hang hinauf.

Der Weg ist ein bequemer Fußweg, führt immer mal wieder durch kleine Ansammlungen von Häusern, an Wiesen vorbei und durch den Wald.

Im Wald gibt es alle paar hundert Meter Glocken, die man läuten soll, um die Bären abzuschrecken. Es scheint nicht so, als würde gleich der nächste Grizzly aus dem Busch preschen, aber wir läuten sicherheitshalber doch mal fleißig die Glocke.

Unterwegs machen wir Rast in einem kleinen Café. Die Wirtin ist eine reizende ältere Dame, die noch alles mögliche zu unserem Kaffee und unserer Limo auffährt. Alle paar Minuten stellt sie uns neue Köstlichkeiten auf’s Haus hin: frische Wassermelone, Erdnüsse, Kekse, Bonbons. Am Ende bittet sie uns noch, was in Ihr Gästebuch zu schreiben.

Im weiteren Verlauf den Weges sehen wir Wasserfälle…

… und grüne, üppige Vegetation. Baumbusstauden wachsen zwischen Nadelbäumen, in den Vorgärten die schönsten Blumen.

Nach ein paar Stunden erreichen wir Tsumago. Ist ähnlich wie Magome auf Edo getrimmt.

Viele Souvenir-Shops und viele Tagestouristen.

Als wir auf den Bus warten kommt ein älterer Japaner auf uns zu und dankt uns auf Englisch, dass wir nach Japan gekommen sind. Er bringt noch seine Bewunderung zum Ausdruck, als wir sagen, dass wir von Magome hierher gelaufen sind. Ach, die Japaner sind schon sehr süß…
Dank der nahtlosen Anschlüsse sind wir gute zwei Stunden später in Kyoto.
