Going Ghibli

Im Zeitalter von Online-Tickets und Overtourism fängt die Planung, welche Sights man besichtigen möchte schon weit vor dem Aufenthalt an. Vorbei die Zeiten, wo man einfach spontan vor Ort zur Museumskasse geht – im schlimmsten Fall noch etwas in der Schlange stehen muss – und dort Tickets für den unmittelbaren Besuch erwirbt.

In Tokio spielt das Ghibli Museum mit in der Liga der Sights, wo alle hin wollen, es aber einfach zu wenige Tickets gibt, um dem Ansturm gerecht zu werden. Bei unserem letzten Tokio-Besuch war uns nicht klar, welch knappes Gut die Tickets sind. Aber dieses Mal soll es klappen.

Der Ticket-Verkauf startet jeweils am 10. um 10:00h japanischer Zeit des Vormonats. D.h. um Tickets für September zu erwerben, muss man sich am 10. August darum kümmern.

Die Recherchen über diverse Blogs und Erfahrungsberichte haben ergeben, dass 10:00h auch 10:00h meint, nicht 10:30h oder 11:00h. Das wäre dann 3:00 morgens unserer Zeit. Des Weiteren bekommen wir den wertvollen Hinweis, dass die Warteschlange schon eine halbe Stunde vorher geöffnet wird und es quasi unabdinglich ist, sich dort schon in die virtuelle Queue zu stellen. Wer erst um 10:00h kommt, hat schon verloren. Außerdem sollte man es auf jeden Fall gleichzeitig auf mehreren Geräten versuchen. Je mehr, desto besser die Chancen.

Wir stehen also kurz vor halb 3 Uhr morgens zu zweit auf, um unser Glück an insgesamt 6 Endgeräten und multiplen Browsern zu versuchen. Um 2:30h kommen wir tatsächlich in die virtuelle Queue. Die Aufregung steigert sich langsam. Um 3:00h erfahren wir dann, an welcher Stelle der Warteschlange wir uns befinden und was die voraussichtliche Wartezeit sein wird. Dass die Warteschlangenplätze nach dem Lotterie-Prinzip vergeben werden und es vollkommen egal ist, wann man die Warteschlange betreten hat – ob um 2:30h oder um 2:58h – hatten die Erfahrungsberichte bereits erläutert. Und so ist es dann auch: auf den unterschiedlichen Geräten und Browsern haben wir Warteschlangenplätze von 543, 20985, 2453, 69054 etc. Was über vier Stellen hat ist total hoffnungslos, weil die Wartezeit mehr als eine Stunde beträgt und schon alle Tickets weg sein werden, bis man zum Zug kommt.

Wir setzten also unsere Hoffnung auf das iPad, wo wir auf Platz 543 sind – geschätzte Wartezeit 5 min.!!! Der Puls hat mittlerweile ordentlich Fahrt aufgenommen. Wir rücken relativ schnell vor in der Schlange und nach ein paar Minuten können wir den gewünschten Timeslot auswählen. Aber auch hier kann wohl noch einiges schief gehen: Slot ist dann doch schon weg, wenn es endlich ans Bezahlen geht, Kreditkarte wird nicht akzeptiert, Server ist überlastet etc. Inzwischen sind wir voll auf Adrenalin. Nachdem wir alle geforderten Informationen eingegeben haben (Name, E-Mail-Adresse, Wiederholung E-Mail-Adresse, Telefonnummer, Wiederholung Telefonnummer, Passwort vergeben, Passwort wiederholen, Herkunftsland, Ankunfts- und Abflughafen) und auf “Next” klicken, kommt eine Fehlermeldung. Aber – wir bleiben ruhig – auch das wohl normal, wie unsere Quellen wussten. Einfach nochmal probieren. Und tatsächlich – es klappt! Wir können den Slot erneut auswählen, kommen diesmal ohne Fehler durch den Prozess durch und können die Zahlung und Buchung abschließen! Wahnsinn!

Wir kommen uns vor als hätten wir eben Tickets für den letzten Evakuierungsflug zum Mars nach der Apokalypse ergattert!

Vielleicht hat dieses Konzept der Verknappung ja auch Methode – bei welchem Museum erlebt man denn sonst schon bei der Buchung so viel Thrill?!

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